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Innovationen aus Brücken

Wie die Firma HOWATHERM meine Vorurteile besiegte

Keiperweg 11-15, 55767 Brücken: Ich brauche die Hilfe meines Navigationsgerätes. In einer halben Stunde bin ich mit Christoph Kaup verabredet. Kaup ist Geschäftsführer der HOWATHERM Klimatechnik GmbH. Die Firma hat rund 170 Mitarbeiter und einen Standort, von dem ich noch nie gehört habe.

Auf der Fahrt nach Brücken sortiere ich schon mal meine Vorurteile. Standort: Irgendwo im Nirgendwo. Tätigkeit: Irgendwas mit Klimaanlagen. Wenn ich so ein mittelständisches Unternehmen im Kreis Birkenfeld besuche, hängt in meinem Kopf immer so eine Art Blockade. „Ach, so cool wird das schon nicht sein. Falls es cool wäre, würde ich das ja kennen und überhaupt: Warum sitzen die nicht in einer Großstadt?“ Diese Vorurteile werden in fünf Stunden verschwunden sein. Ein gut gelaunter Christoph Kaup begrüßt mich. Wir setzen uns in einen Besprechungsraum. „Die Geschichte unserer Entstehung ist wie ein Roman“, sagt Kaup. Der Begriff Familienunternehmen wird mittlerweile ziemlich inflationär genutzt – für die Firma HOWATHERM ist er allerdings eine mehr als treffende Beschreibung.

Vor 50 Jahren gründete Christoph Kaups Vater Karl-Heinz das Unternehmen auf dem damals brach liegenden Gelände in Brücken. „Ich wurde hier groß und wollte schon mit 13 Jahren Ingenieur werden“, sagt Christoph Kaup, der 1993 den Geschäftsführerposten übernahm.

Kurz darauf kommen wir auf die Lage des Unternehmens zu sprechen. Ich vermeide die Formulierung „am Arsch der Welt“, aber meine Fragestellung geht schon relativ klar in diese Richtung. „Wo ist das Problem?“, entgegnet Kaup: „Wir sitzen in der Mitte Europas. Ich bin in zweieinhalb Stunden in Brüssel, in eineinhalb Stunden in Frankfurt und in einer Stunde in Luxemburg.“ Außerdem seien es nur sieben Minuten zum Umweltcampus nach Birkenfeld, der für das Unternehme eine wichtige Rolle spielt. Irgendwie ist Kaups relativ simple Rechnung ziemlich überzeugend. So habe ich den Standort Brücken noch nicht betrachtet.

Grundsätzlich merke ich heute: Wer Vorurteile über Unternehmen und Unternehmer in unserer Region abbauen möchte, sollte sich mit Christoph Kaup unterhalten. Was die Rekrutierung von Fachkräften angeht, hat er ebenfalls eine klare Haltung. „Ich brauche niemanden aus Hamburg oder München“, sagt Kaup. „Die Leute, die in unserer Region geboren wurden, sind genauso schlau wie anderswo.“

Meine Vorurteile bröckeln, sind aber noch längst nicht verschwunden. Das wird mir wieder bewusst, als ich mit dem Geschäftsführer in der Fertigungshalle der Firma stehe. „Wir sind ein wichtiger Teil der Energiewende“, sagt Kaup und erklärt mir die neuste Technologie, die sein Unternehmen gerade patentiert bekommen hat. „Ach, das haben Sie hier entwickelt?“, rutscht es mir heraus. Irgendwie ist der Gedanke, dass ein Brückener Unternehmen technologische Maßstäbe in seiner Branche setzt noch nicht richtig in meinem Kopf angekommen.

Bei unserem weiteren Rundgang setzt bei mir so eine Art kindliche Begeisterung ein. Ich verstehe zwar nicht bis ins letzte (und auch nicht bis ins vorletzte) Detail, was hier mit modernster Technologie eigentlich passiert, dennoch faszinieren mich die Maschinen und die Akribie, mit denen hier Klimatechnologie für verschiedene Großkonzerne, aber auch Krankenhäuser, Kitas oder Kulturstätten hergestellt wird. In einer der fünf Hallen liegt auch das Büro der Familie Brücher. Das Ehepaar versteht meine Frage nach der Abwanderung von gut ausgebildeten Fachleuten auch nicht so wirklich. „Es gibt doch nichts Schöneres, als die Kinder hier in der Natur aufwachsen zu sehen“, betonen die beiden. Vielen falle es vielleicht schwer, das Bekannte zu schätzen.

Ehepaar Brücher im gemeinsamen Büro: „Es gibt doch nichts Schöneres, als Kinder in der Natur aufwachsen zu sehen.“

Mittlerweile habe ich fast 15.000 Quadratmeter Firmenfläche in den Beinen. Zeit, um mit dem Geschäftsführer noch einmal tiefergehend ins Gespräch zu kommen. „Der Teamgedanke ist alles bei uns. Ich will nie dahin kommen, dass es anonym wird“, sagt Kaup. Gleichwohl räumt er ein, dass dieses Ziel immer schwerer zu erreichen ist. Als er in die Firma einstieg, waren es 20 Mitarbeiter, als der Vater 1999 ausschied 60, heute 167. „Wir könnten schon deutlich größer sein, aber das will ich nicht. Dann wären wir von Banken abhängig“, stellt er klar. Was Kaup mitunter schwerer fällt, ist die Steuerung der eigenen Arbeitsbelastung. „Selbst wenn man mal Freizeit hat, kann man nicht abschalten. Ich muss dann Dinge machen, die mich zwingen, an etwas Anderes zu denken“, sagt er. Vor allem, wenn es zu Krisensituationen kommt – wie beispielsweise im Jahr 2011.

Ein Großbrand erschütterte das Unternehmen, der Schaden betrug mehrere Millionen Euro. „Am Anfang war ich da ganz cool, weil ich wusste, dass ich cool sein muss“, erinnert sich der Geschäftsführer. Als er allerdings merkte, dass der Brand einer Katastrophe glich und der Schaden immer größer wurde, war die Coolness verschwunden. Mittlerweile ist das Feuer weitgehend vergessen, die modernen Hallen zeigen keinerlei Spuren mehr, die auf diese Katastrophe hindeuten würden.


Im Jahr 2011 sorgte ein Großbrand für immensen Schaden in den Hallen der Firma HOWATHERM. Einige Mitarbeiter haben diesen Einschnitt in der Firmengeschichte miterlebt. Viele andere kennen die Katastrophe jedoch nur aus Erzählungen. Einer von ihnen ist Demian Sesterhenn. Der 20-Jährige machte gerade seine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker in Brücken. Er wird zum nächsten Opfer meiner Vorurteile. Demian kommt aus Hoppstädten-Weiersbach, zur Schule ging er in Birkenfeld. Natürlich will ich wissen, warum er nicht weggezogen ist. „Weil es mir hier auf dem Land gefällt“, antwortet er.

Für Demian ist die Natur ein entscheidender Faktor. Sein Traum war es mal, Downhill-Profi zu werden. Auch wenn das bisher noch nicht geklappt hat, ist er wann immer es geht mit dem Mountainbike unterwegs. „Ich hoffe auf den Bikepark Idarkopf“, sagt Demian.

„Beeindruckend für wen wir so arbeiten.“ Demian macht eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. Irgendwie freue ich mich mittlerweile. Ich habe an diesem Tag bereits so viele Menschen getroffen, die ehrlich Werbung für unsere Region machen, jeder auf seine Weise, jeder ganz individuell. „Vielleicht will ich mal ein Jahr nach Kanada“, sagt Demian, um dann zu betonen: „Ich denke jetzt aber nicht, dass ich hier weg muss.“ Gleichwohl frage ich mich, wie man den Weg nach Brücken zur Firma HOWATHERM findet – gerade als Schüler, der eigentlich Downhill-Profi werden möchte.

Demian kam durch einen Lehrer auf die Firma. Dann habe er sich die Sache einfach mal angeschaut und zur Probe gearbeitet. „Natürlich weiß man als Schüler noch nicht ganz genau, was man will“, sagt er. „Man muss halt einfach wollen, wenn man keine Lust hat, geht es nicht.“ Demian wollte und hat nun einen Arbeitgeber, der ihn immer wieder überrascht. Oft denke er sich: „Ah, so etwas machen wir hier auch.“ Zudem findet er es beeindruckend, für welche Firmen sein Arbeitgeber produziert.

Ich bedanke mich bei Demian und laufe zur letzten Station des Tages. Lukas erwartet mich in seinem Büro. Er hat an der RWTH in Aachen studiert. Nach sechs Jahren in Nordrhein-Westfalen ist er zurück in seiner Heimat Schmißberg. Wenn man ihn nach dem Grund fragt, wird deutlich, wie entscheidend ein Geschäftsführer Einfluss nehmen kann. Lukas stand vor der Frage, ob er in einem großen Konzern oder einem mittelständischen Unternehmen als Ingenieur arbeiten möchte. Kaup lotste ihn letztlich zurück in die Heimat. „Hier habe ich das Gefühl, etwas bewegen zu können“, sagt Lukas.

Top ausgebildet zurück in die Heimat: Lukas Thomas ist diesen Schritt gegangen.

Natürlich habe er es genossen, auch mal in der Stadt zu leben. Dennoch hat Lukas die Vorzüge vermisst, die ihm das Leben in der Region bietet. In der Natur zu sein, Klettern zu gehen, in der Werkstatt der Eltern zu basteln oder auch einfach ein bisschen Schlagzeug zu spielen: All das ist in Großstädten wie Aachen nur schwer möglich.

Allerdings spielt auch das Unternehmen selbst eine gewichtige Rolle. „Kommilitonen fragen mich, warum ich diesen Schritt gegangen bin, dann erkläre ich, was wir hier machen und dann verstehen sie es“, schmunzelt Lukas. Er betont: „Was wir hier machen, gibt es sonst nirgends.“ Gleichwohl unterstreicht Lukas auch immer wieder das Engagement seines Chefs. Ohne Christoph Kaup wäre er wahrscheinlich nicht erneut im Kreis Birkenfeld angekommen.

Hin und wieder bringt Lukas alte Kommilitonen mit nach Brücken. Im Anschluss würden diese seinen Schritt mit ganz anderen Augen sehen. „Wenn man es nur hört, glaubt man nicht, wie es hier wirklich ist“, meint Lukas. Diese Aussage bringt meinen Tag bei der Firma HOWATHERM ziemlich genau auf den Punkt. Ich zumindest weiß nun, dass meine Vorurteile im Brückener Keiperweg keine Chance haben.

Mehr Informationen zu Jobs und Ausbildungspläzen bei der Firma HOWATHERM hier!

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